Radfahrer müssen weiterhin in der Unterführung am Hauptbahnhof absteigen. Eine
Klage gegen das Absteigegebot hat das Landesverwaltungsgericht bereits Mitte
März abgewiesen, am Freitag wird der Bauausschuss über das Urteil im
nicht-öffentlichen Teil der Sitzung informiert. Geklagt hatte der ADFC Erfurt,
der über das Urteil auf seiner Website informiert.

Erfurt. Und auch darüber, dass er nun keine weiteren rechtlichen Schritte gehen
will - schon aus finanziellen Gründen, weil die Erfolgsaussichten in keinem
Verhältnis zu den voraussichtlichen Kosten stünden. Der Fahrrad-Club ruft schon
jetzt zu Spenden auf, um die Unkosten von bislang etwa 2000 Euro zu decken. Das
Thema indes sieht der Verein noch nicht als erledigt an. Trotz des Urteils, mit
dem das Gericht festgestellt hat, dass im Bahnhofstunnel besondere Gefahren für
Radfahrer bestehen, die eine Sperrung rechtfertigen, müsse eine Lösung des
Problems her.


In der Verhandlung selbst habe auch der Vertreter der Stadt
erklärt, dass die entstandene Situation im höchsten Maße unbefriedigend sei und
sicher so nicht gebaut worden wäre, wenn die Situation vorher so erkennbar
gewesen wäre. Alternativen zu der nun unterbrochenen Radverbindung müssen her,
sagt Bernhard Deimel, Kreisvorsitzender des ADFC. Und an der aktuellen
Situation, dass ein Drittel der Radfahrer durch den Tunnel schiebe, ein Drittel
im Gleisbereich und ein Drittel auf dem Gehweg fahre, ändere das Urteil nichts,
befindet Vereins-Kollegin Petra Stangenberger. Lösungsvorschläge gibt es:
Einerseits in Form des Ausbaus der Löberstraße. Dort sei bereits stadteinwärts
ab Löberwallgraben bis zum Juri-Gagarin-Ring eine vorbildliche Radführung
realisiert, wie der ADFC zubilligt. Um dort hin zu kommen aber fehle die
Anbindung ab Friedrich-Liszt-Straße. Stadtauswärts wurde ein Radweg vom Ring bis
zum Löberwallgraben freigegeben: "Von dort aus bis zum Kaffeetrichter ist die
Radverkehrsführung aber völlig unbefriedigend."
Andererseits müsse östlich des Bahnhofstunnels eine Querung der Bahntrasse
ermöglicht werden: "Die momentane Radverkehrsführung ist dabei unzureichend",
beklagt der ADFC. Durch eine komfortable Radwegeführung stadteinwärts in der
Verlängerung der Windthorststraße (rechts abbiegend durch den Tunnel
Schmidtstedter Knoten) wäre es möglich, den Radverkehr durch die
Trommsdorffstaße zum östlichen Anger und zur Johannesstraße zu führen. Und die
Stadtverwaltung? Eine Verbindung parallel zur Bahntrasse zwischen Löberstraße
und Hauptbahnhof hält der Baubeigeordnete Ingo Mlejnek weiterhin für gut.
Verwaltungsintern werde diese Trasse aber abgelehnt, weil sie durch bislang
ungeordnetes Gebiet führe. Eine Anbindung der Löberstraße zur Arnstädter Straße
zwischen Schillerstraße und Landtag indes sei 2014 im Plan - noch geklärt werden
müssten dazu das Planungsrecht und die Finanzierung.
 
Frank Karmeyer / 05.07.12 / TLZ