Die Stadt Gera nimmt an der 1. Mitteldeutschen Radverkehrkonferenz teil und
hofft in den kommenden Jahren, den Radverkehrsanteil deutlich steigern zu
können.

Gera. Unsere Stadt soll bis zum Jahr 2015 fahrradfreundlich ein, so ist es im
Stadtratsbeschluss vom 16. März 2006 festgeschrieben. In der kürzlich
stattgefundenen 1. Mitteldeutschen Radverkehrkonferenz, in deren Arbeitsgruppe
Mobilität auch die Stadt Gera vertreten ist, steckten die drei Bundesländer
Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt jetzt erstmals gemeinsame Ziele fest.


Stefan Prüger, Fachdienstleiter Verkehr, der Gera bei dieser Zusammenkunft
vertrat, war sich mit den Fachleuten einig, dass das Thema Radverkehr in den
vergangenen Jahren etwas ins Hintertreffen geraten ist. Dem wolle man nun
entgegenwirken und eine AG "Fahrradfreundliche Kommune Mitteldeutschland" ins
Leben rufen. "Wir analysieren, auf welchem Stand die Städte fahrradtechnisch
gesehen sind", sagt er. Gera sei mit seinem vor sechs Jahren fest geschriebenen
Plan bereits Vorreiter in Sachen Fahrradfreundlichkeit. Schon damals habe man
eine Steigerung des Radverkehrsanteils um mindestens 32 Prozent bis zum Jahr
2015 angestrebt. Stellt man Verbindungen zum Nationalen Radverkehrsplan 2020
her, hat Gera freilich noch Entwicklungsmöglichkeiten. "Der Entwurf geht sehr
ehrgeizig mit dem Thema um", sagt auch Prüger. Der dort als wünschenswert
aufgelistete Radverkehrsanteil für städtische Kommunen liegt durchschnittlich
bei 11 Prozent und soll bis 2020 auf 16 Prozent anwachsen, im ländlichen Raum
von acht auf 13 Prozent. "In Gera liegen wir derzeit knapp unter fünf Prozent",
macht Prüger den Unterschied zwischen Realität und Ziel deutlich. Aber man könne
Gera auch nicht mit westdeutschen Städten gleicher Größe vergleichen. "Die
hatten schon ein richtiges Radwegenetz, da gab es in Gera noch keinen einzigen
Meter davon", weiß er.
 
Wie häufig die Geraer aufs Rad steigen, soll im kommenden Jahr eine neuerliche
Befragung der Technischen Universität Dresden bringen. Spätestens dann weiß man,
ob man dem Bundesdurchschnitt wieder ein Stück näher ist. Stefan Prüger weiß,
warum Gera keine traditionelle Radfahrerstadt ist: "Wir haben ein topografisches
Gefälle in Ost-West-Richtung und seit die TU Dresden ihre Befragung seit den
70-er Jahren durchführt, haben wir immer den wenigsten Radverkehr aufzuweisen.
Außerdem führten die zwei PKW-Auslieferungslager in unserer Stadt zu DDR-Zeiten
zu einer deutlich stärker motorisierten Bevölkerung, die weniger aufs Radfahren
angewiesen war." Trotzdem ist er optimistisch, dass Gera die 5-Prozent-Hürde
knackt. "Vielleicht steigen noch mehr Bürger auf bequeme Elektrofahrräder um",
hofft er. Die 2. Mitteldeutsche Radverkehrkonferenz will nun schon im Herbst
gemeinsame verkehrspolitische Ziele der teilnehmenden Städte auflisten. Dafür
sieht Prüger Gera gut vorbereitet und führt die vier Radwegunterführungen
entlang der Elster als nachahmenswertes Beispiel an.
 
Christine Schimmel / 16.06.12 / OTZ