In Gotha hat eine Testphase mit einem Elektro-Fahrradtaxi begonnen. Stationen
mit weiteren Elektrorädern sind geplant.

Gotha. Geschickt lenkt Martin Weidemann das gut drei Meter lange Velotaxi durch
Gothas Einkaufsstraßen. Die Fahrt geht vom Hauptmarkt über den Neumarkt durch
die Friedrichstraße in die Parkallee, dann folgt der Härtetest an der Südrampe
hinauf zum Schloss Friedenstein. Spätestens jetzt kann der Fahrer der modernen
Fahrrad-Rikscha auf die Unterstützung eines Elektromotors bauen. Noch fährt das
gelb-weiße Dreirad nur zu Testzwecken in Gotha. Ist die Testphase erfolgreich,
dann soll das Velotaxi dauerhaft in der Stadt fahren. Das Fahrradtaxi ist
ausgelegt für einen Fahrer und zwei Fahrgäste, das Leergewicht beträgt 150 kg,
beladen kommt es auf maximal 450 kg. Ausgestattet ist das Rad mit einem
Elektrohilfsmotor, der über einen Magnetsensor an der Tretlagerachse
zugeschaltet und über einen Handgriff reguliert wird. Seine Energie bezieht der
Nabenmotor aus drei kompakten Akkus. Eine große Solarzelle auf dem Dach erhöht
die Reichweite bis zu nächsten Ladung um bis zu 30 Prozent. Die
Hybridkombination aus elektrischer Leistung und Muskelkraft ist eine perfekte
Werbung für umweltbewusste Stadtentwicklung.

 
Halbstündige Fahrt mit kurzer Stadtführung
 
Vorläufig soll das Velotaxi bis zum September immer dienstags, 10 bis 17 Uhr, in
Gotha verkehren. Angeboten werden Touristenfahrten mit Stadtführungen. Eine
Fahrt vom Hauptmarkt durch die halbe Stadt zum Schloss kostet für zwei Personen
12 Euro. Vorbestellungen können ab sofort im Gotha-adelt-Laden am Hauptmarkt 44,
(0 36 21) 7 33 34 99, abgegeben werden.
 
Die Idee für das Velotaxi stammt von Elmar Burgard, Leiter der
Fernwärmestadtwerke Gotha GmbH. Der umweltbewusste Chef, er kam zum Pressetermin
mit seinem Tretroller, hatte das Taxi in Erfurt fahren sehen und fand bei
Torsten Kunz, Leiter der Kultourstadt Gotha GmbH, sofort Unterstützung. Schon im
kommenden Jahr möchte Burgard für Gotha ein eigenes Elektro-Velotaxi anschaffen.
"Wir können viel über Energiesparen diskutieren; wenn die Menschen nicht die
Möglichkeit zum Umstieg haben, dann wird es nichts", erklärte Elmar Burgard und
stellte eine weitere umweltfreundliche Transportalternative vor: "Wir werden für
Gotha zehn Elektrofahrräder anschaffen." Diese sollen an drei Stationen - eine
am Bahnhof, zwei in der Innenstadt - von Jedermann gegen Gebühr genutzt werden
können. Während es in Erfurt und Jena noch weitere Fahrradrikschas gibt, ist das
Solar-Velotaxi-Konzept des selbstständigen Erfurter Stadtführers und Taxifahrers
Martin Weidemann vorerst das einzige in Thüringen und wird neben der
Waltershäuser Firma Maxx-Solar auch vom Landesverband der Deutschen Gesellschaft
für Solarenergie unterstützt. Kunz und Burgard können sich zukünftig auch
schnellere Shuttle-Fahrten zum Schloss vorstellen. Der 29-jährige Weidemann
zeigte gestern zumindest eine gute Ausdauer
 
Dirk Bernkopf / 13.06.12 / TA