Die Glätte auf den Straßen sorgte nicht für wachsende Zahl an Unfällen mit
Beteiligung von Radfahrern.

Erfurt. Auf Nagelreifen hat Falko Stolp sein Freizeitfahrrad umgerüstet. Damit
kam der Lehrer auch auf vereister Schneedecke mit dem Drahtesel jeden Tag
pünktlich zur Arbeit. "Die Witterung kann mich eigentlich nicht vom Radfahren
abhalten. Ich stelle mich auf Schnee und Eis ein und fahre vorsichtiger." So ist
Stolp bereits im zweiten Winter unfallfrei in der Stadt unterwegs. "An einem
frostkalten klaren Morgen fahre ich sogar lieber mit dem Rad als bei
Regenwetter."


Viele Radfahrer lassen sich wie Stolp von Schnee und Eis nicht aufhalten, hat
Volkmar Schlisio bemerkt. "Seit Jahren nimmt die Zahl der Radler zu, die ihr
Fahrzeug auch im Winter regelmäßig nutzen." Diese Entwicklung sieht das Mitglied
vom Landesvorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) mit Freude. Dass
es auf Straßen und Radwegen jetzt öfter rutschig sei, wüssten erfahrene
Radfahrer richtig einzuschätzen und entsprechend angepasst zu fahren.
"Gefährlicher ist Radfahren auch im Winter nicht", findet Schlisio.
 
Bestätigt wird der ADFC-Landesvorstand von der Unfallstatistik der Polizei.
Trotz verschneiter Straßen wurden in Erfurt im Januar nur acht Unfälle
registriert, in die Radfahrer verwickelt waren. "Das sind nicht mehr als in
anderen Monaten auch. Außerdem ist kein einziger davon allein auf die Glätte
zurückzuführen", stellt Polizeikommissar Dominique Schuh klar. "Probleme auf
schneeglatter Straße hatte nur ein Mopedfahrer, der mit seinem Zweirad in der
Blumenstraße nicht bremsen konnte und in ein Auto schlitterte." Vorfahrtsfehler
waren stattdessen meist der Grund dafür, dass Unfälle mit Radfahrern in der
Statistik auftauchten. "Wir wissen jedoch nicht, wie viele Radler gestürzt sind,
ohne dass andere Verkehrsteilnehmer beteiligt waren", schränkt Schuh ein.
 
Und wenn Radler stürzten, blieb der Ausrutscher meist folgenlos. Denn in der
Notaufnahme beim Helios-Klinikum wurden in der vergangenen Woche auch nicht mehr
Radfahrer mit Unfallverletzungen behandelt als in anderen Wochen auch, erklärte
eine Sprecherin des Krankenhauses gestern.
 
Sicher durch den Winter zu kommen, sei für Radfahrer keine Kunst, setzt Volkmar
Schlisio auf die Vernunft der Pedalritter. "Wer auch bei solchem Wetter wie in
den vergangenen Tagen mit dem Rad unterwegs ist, weiß, dass nur eines vor
Unfällen schützt: Aufmerksamkeit." Die helfe allerdings nicht immer, Gefahren
vorzubeugen. So seien Radfahrer rechtlich gezwungen, auf die Gegenfahrbahn
auszuweichen, wenn in einer freigegebenen Einbahnstraße der Radstreifen
unpassierbar sei. In der Frankestraße stieß Schlisio jetzt auf dieses Problem.
An solchen Stellen sieht er die Stadt besonders in der Pflicht, auch die Spur
für die Radler von Schnee zu befreien.
 
Mehr Sicherheit mit weniger Luft
Geringer Luftdruck in den Fahrradreifen sorgt für mehr Haftung.
 
Mehr Sicherheit bringt es, den Sattel tiefer zu montieren, um die Füße im
Notfall schnell auf den Boden bringen zu können.
 
Reifen mit Spikes (Stahlnägeln) sind bei Eis und Schnee die beste Wahl und
können ohne Einschränkungen benutzt werden.
 
Gute Beleuchtung am Rad gibt mehr Sicherheit.
 
 
Timo Götz / 29.01.13 / TA