Nach Verlängerung der Sanierungsarbeiten an Bahnstrecke soll an einer Lösung für
Radtouristen gearbeitet werden.

Ilmkreis. Die Verlängerung der Bauarbeiten am Angelrodaer Viadukt bis August
werden Auswirkungen auf den Tourismus haben. Denn seit in den
Fremdenverkehrsämtern eine Zunahme von Aktivgästen mit dem Fahrrad registriert
wird, kommt auch dem Bahnverkehr zwischen Ilmenau und Erfurt eine größere
Bedeutung zu. Neun von zehn Touristen-Informationen messen der gesicherten
Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln einen hohen Stellenwert bei,
stellte erst jüngst Elke Hellmuth vom Biosphärenreservat "Vessertal Thüringer
Wald" das Ergebnis einer Befragung in der Region vor. Allerdings verkehren nun
durch die Reparaturen an der Bahnstrecke zwischen Ilmenau und Plaue ausgerechnet
zur kommenden Hauptsaison weiterhin Busse im Schienenersatzverkehr (SEV).


Maximal zwei Fahrräder können in den Niederflurbussen mitgenommen werden. Weil
auch Reisebusse zum Teil eingesetzt werden, führte das in der Vergangenheit
dazu, dass Radfahrer schon mal am Bahnhof stehen gelassen wurden.
 
Das Problem ist den Tourismus-Experten vor Ort bekannt. Bisher ging man davon
aus, dass die Strecke spätestens im Mai geöffnet ist und der Platz für Fahrräder
steigt. "Das wird erst wieder ein Problem im Frühjahr", sagt Nancy Hampel,
Leiterin der Ilmenau-Information, im Oktober vergangenen Jahres zu "Thüringer
Allgemeine. Die Verlängerung der Streckensperrung hebt das Problem nun wieder
auf die Agenda.
 
Die Ilmenau-Information hat im Sommer vergangenen Jahres regelmäßig
Rückmeldungen über Probleme im Schienenersatzverkehr (SEV) bekommen. "Vor allem
von Fahrradfahrern", sagte Hampel. Radfahrern, die den Ilmtalradweg benutzen
wollen, riet man damals, nur bis Plaue zu fahren oder nach Oberhof. Die Route
von dem Rennsteigort gen Ilmenau ist aber "eine unschöne Strecke", so Hampel.
"Viel Verkehr und steile Abschnitte." Fahrradfahrer reisen meist zu zweit mit
Gepäck, sagt Hampel. Das sei im Bus "nicht sehr angenehm".
 
Die Erfurter Bahn (EB) will sich nächste Woche mit der Regionalbus Arnstadt GmbH
zusammensetzen, um über die Weiterführung des Schienenersatzverkehrs bis August
zu beraten. Das bestätigte eine Sprecherin auf Nachfrage unserer Zeitung. Die
Möglichkeit der Fahrradmitnahme soll ein Thema bei der Gesprächsrunde sein. Die
EB betreibt die Strecke zwischen Ilmenau und Plaue, die Regionalbus Arnstadt
GmbH übernimmt im Auftrag der EB den Schienenersatzverkehr während der
Streckensperrung. Ein Nachrüsten von Bussen mit Fahrradheckträgern - wie sie auf
der Linie zwischen Ilmenau und Saalfeld vereinzelt verkehren ist nicht möglich,
erklärte der Geschäftsführer des Thüringer Verbands Bus und Bahn, Tilman
Wagenknecht. Solche Vorrichtungen können seinen Erfahrungen nach nur ab Werk
geordert werden mit Zusatzkosten von bis zu 6000 Euro. "Nur wenn man mit einem
Konzept kommt, in dem der Radtourismus eine große Rolle spielt, ist die
Bereitschaft der Busunternehmen größer, in solche Dinge zu investieren", sagte
er bei einem Touristikertreffen in Stützerbach. Dabei müsse sich auch die
Politik über den Stellenwert des Radtourismus einig sein.
 
 
Christian Werner/Arne Martius / 02.02.13 / TA