Ungeräumte Radwege im Winter oder enge Straßen mit dichtem Verkehr - viele
Thüringer Fahrradfahrer können davon ein Lied singen. In einer Umfrage landen
hiesige Städte bundesweit nur im unteren Mittelfeld. Am wohlsten fühlen sich
Radfahrer offensichtlich in Ilmenau.

Erfurt/Ilmenau. Thüringens Städte sind im bundesweiten Vergleich nicht besonders
fahrradfreundlich. Beim am Freitag vorgestellten Städteranking des Allgemeinen
Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) landeten hiesige Kommunen maximal im unteren
Mittelfeld. So belegte Erfurt unter den 38 Städten mit mehr als 200.000
Einwohnern gerade einmal Platz 26. Der Landeshauptstadt wird im Vergleich zur
vorherigen Erhebung im Jahr 2005 eine "unterdurchschnittliche Entwicklung"
bescheinigt.


Dagegen kann Jena in der Bewertung der Radfahrer zulegen, schafft es aber in der
Kategorie der Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern auch nur auf Rang 22 von
42. Von allen Thüringer Städten schnitt Ilmenau mit einer Bewertung von 3,6 am
besten ab. Bundesweit belegte die Südthüringer Universitätsstadt in der
Kategorie der kleineren Städte unter 100.000 Einwohner Platz 83 von 252. Am
schlechtesten wurde im Thüringen-Vergleich Nordhausen bewertet. Doch gab es nur
aus sieben Städten des Freistaats genügend Teilnehmer für die Umfrage zum
bundesweiten Fahrradklimatest.
 
"Es gibt hierzulande noch jede Menge zu verbessern", konstatierte
ADFC-Landesvorsitzender Friedrich Franke. Dabei verwies er etwa auf die Pflege
und Instandhaltung von Radwegen. Zudem gebe es an vielen Straßen gar keine
separaten Radwege, was zu Konflikten mit Fußgängern oder Autofahrern führen
könne. Mitunter - etwa in Gera - gebe es sehr enge Fahrbahnen, die sich
Straßenbahn, Autos und Radfahrer teilten. Und auch der Winterdienst bekomme von
den Radfahrern schlechte Noten. Franke: "In manchen Orten wird der Schnee
bevorzugt auf Radwegen abgelagert."
 
Nach Angaben des Erfurter Verkehrsministeriums hat das Radwegenetz in Thüringen
eine Länge von mehr als 13.000 Kilometern. "In den vergangenen zwei Jahrzehnten
hat sich die Verkehrsinfrastruktur in Thüringen weiterentwickelt", betonte
Ressortchef Christian Carius (CDU). Allein im vergangenen Jahr seien von Bund
und Land 3,2 Millionen Euro in den Ausbau der Radwege geflossen. Finanziert
wurden damit unter anderem der Ausbau des Radwegenetzes an der Bundesstraße 7
bei Jena-Isserstedt sowie an der B88 zwischen Rottenbach und Oberköditz im Kreis
Saalfeld-Rudolstadt. Zudem verwies er auf das Angebot des Radroutenplaners im
Internet, der Radfahrern helfe, Touren individuell zusammenzustellen.
 
Für die Untersuchung wurden die Einschätzungen von 80.000 Radfahrern zu
Radwegen, Abstellplätzen und Ampelschaltungen in ihrer Stadt ausgewertet. In den
einzelnen Kategorien konnten sie jeweils Schulnoten von eins bis sechs vergeben.
Aus Thüringen beteiligten sich den Angaben nach mehr als 1000 Menschen.
Bundesweiter Spitzenreiter unter den Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern
bleibt Münster in Westfalen.
 
 
01.02.13 / dpa