Der Tabarzer Kurdirektor David Ortmann plant einen maßvollen Rückbau der
Infrastruktur bei Wanderwegen. Für ein Netz von 150 Kilometern sind gerade mal
zwei Waldarbeiter zuständig.

Tabarz. 1868 entdeckte der Berliner Seidenfärber Wilhelm Spindler Tabarz für
sich. Künftig verbrachte er seine Sommerfrische hier und zog einen Schweif
weiterer betuchter Gäste nach sich. Tabarz war beliebt. Und ist es heute noch.
Bürgermeister Klemm sieht den Ort als Touristenhochburg. Spaßbad und Kletterwald
sowie Kneippanlagen locken.


Und da ist noch die Natur: Inselsberg, Lauchagrund mit Backofenloch und
Torstein, blühende Bergwiesen, Wege, die durch ausgedehnte Wälder führen. Im
Grunde das wirkliche Alleinstellungsmerkmal der Gemeinde. Doch damit wird
sträflich umgegangen. Wer sich entschließt den Weg zum Backofenloch zu nehmen
(immerhin als Rundwanderweg ausgeschildert), erlebt schon früh unangenehme
Überraschungen. Was zu Beginn der 90er Jahre von ABM-Kräften gebaut wurde,
zerfällt auf Grund ausbleibender Reparaturen. Die Trittstufen, die hinauf zur
Steinhöhle führen, sind zum Teil weggefault, die Handläufe nicht mehr vorhanden
oder so instabil, dass es ratsam ist, sie gar nicht erst zu benutzen.
Unmittelbar am Backofenloch führt eine Treppe über einen kleinen Felsvorsprung.
Wer sie benutzt, muss höllisch aufpassen, denn nicht mehr alle Stufen sind
vorhanden.
 
Der weitere Weg hinauf bietet das gleiche Bild: Ein völlig vernachlässigter
Wanderweg. Und wer zum Torstein wandert, kann zwischen zwei Routen wählen. Doch
von welcher Seite der Wanderer auch kommt: Seit Frühjahr blockiert ein
umgestürzter Baum den Weg zur Wallanlage und Torstein.
 
Beliebt - und ausgeschildert - ist besonders für Wandergäste in Tabarz der Weg
zum Großen Inselsberg über die Windlöcher. Doch Vorsicht, wer sich der
Schutzhütte an den Windlöchern nähert, sollte es nur bei trockenem Wetter tun.
Nach Forstarbeiten in der Region ist der Wanderweg von schweren Maschinen tief
zerfurcht. Das Laufen ist bei trocknem Boden schon beschwerlich. Hat es
geregnet, wird es zur Qual.
 
Viele Mängel und nur zwei Arbeiter
Dass es Mängel gibt im rund 1540 Kilometer umfassenden Wegenetz rings um Tabarz,
ist David Ortmann klar. Der Kurdirektor, erst wenige Wochen im Amt, ist derzeit
dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. "Ich weiß, dass in den vergangenen
Jahren sehr viel liegen geblieben ist",sagt er. Und andererseits weiß er auch,
dass die Infrastruktur, die in den Jahren nach der Wiedervereinigung von
ABM-Kräften geschaffen wurde, nicht zu halten ist. Gerade mal zwei Waldarbeiten
betreuen das Wanderwegenetz in der Tabarzer Flur. "Ich plane derzeit einen
maßvollen Rückbau. Das heißt: Brücken, die nicht unbedingt benötigt werden,
werden durch Trittsteine ersetzt. Handläufe, die nicht unbedingt benötigt
werden, werden entfernt und nicht ersetzt. Gleiches trifft auf vermoderte
Tritthölzer zu, welche nicht zwingend nötig sind. Gestürzte Bäume, die Wege
kreuzen, werden künftig nicht mehr komplett geräumt. Die Wege werden lediglich
freigeschnitten."
 
Weiterhin schweben Ortmann Abenteuerwege für Familien vor. Diese seien nicht so
pflegeintensiv aber dennoch ein tolles Angebot für diejenigen, die Natur pur
erleben wollen.
 
Mit dem Forst gibt es Gespräche - nicht nur im Fall Windlöcher. Am Roten Turm
beispielsweise wurden schmale Wanderwege auf vier, fünf Meter verbreitert. "Ich
bin über die Hinterlassenschaft schockiert. Am Roten Turm wurde scheinbar alles
in Wildwestmanier niedergemäht und breitgeschoben", sagt Ortmann. Der Tabarzer
Bauamtsleiter habe sich bereits mit dem zuständigen Revierförster Dreißigacker
vor Ort getroffen. "Die Gemeinde erwarten nun eine schnelle Instandsetzung des
Weges von der verantwortlichen Firma", sagt der Kurdirektor. Und er verspricht,
dass sich die Waldarbeiter in den nächsten Tagen um die Schäden im Lauchagrund
kümmern.
 
 
Klaus-Dieter Simmen / 09.08.12 / TA