Kurdirektor David Ortmann möchte das 150 Kilometer lange Wegenetz auf dem Gebiet
der Gemeinde entflechten und verbessern. Im Januar soll ein Wanderweg-Symposium
stattfinden.

Tabarz. "Wanderwege müssen inszeniert werden wie ein Theaterstück", sagt Rainer
Brämer. Und der Professor aus Marburg muss es wissen, gilt er doch als der
Wanderexperte in Deutschland. Am 19. und 20. Oktober ist er in Tabarz zu Gast.
Und er wandert sozusagen dienstlich. Gemeinsam mit Kurdirektor David Ortmann
will sich der Wanderpapst vor Ort anschauen, wie Tabarz fit gemacht werden kann,
um den Wünschen des modernen Wandergastes zu entsprechen.


150 Kilometer Wanderwege gibt es auf Tabarzer Gebiet. Das klingt gewaltig.
Allerdings ist der Zustand oftmals beklagenswert. "Mit ABM-Kräften wurde
seinerzeit das Wegenetz ausgebaut", sagt Ortmann. Er verweist darauf, dass
beispielsweise 1997 Tabarz 180 Mitarbeiter in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
hatte. Klar, nicht alle hätten im Wald gearbeitet, aber ein Großteil schon. Was
damals geschaffen wurde, kann nach Ansicht des Kurdirektors nicht gehalten
werden. Das zeige schon der Sanierungsstau, der sich in der Vergangenheit
aufgebaut habe.
 
Nun will Ortmann nicht ergründen, warum die Wanderwege stiefmütterlich behandelt
wurden. Für ihn ist wichtig, dass sich die Situation ändert: so schnell als
möglich und vor allem nachhaltig. Dabei müsse sich die Gemeinde allerdings von
einigen Kilometern des Wanderwegenetzes verabschieden. "Geht man davon aus, dass
die Touristen im Durchschnitt fünf, sechs Tage in Tabarz bleiben, schafft es
ohnehin keiner, die gesamte Strecke abzuwandern", sagt David Ortmann. Wie viele
Kilometer Wanderwege übrig bleiben, kann er nicht sagen. Noch nicht. Denn
darüber muss erst geredet werden. Zu diesem Zweck will der Kurdirektor zu einem
Wanderwege-Symposium einladen. Im Januar sollen alle an einem Tisch sitzen, die
das Thema berührt: Waldbesitzer, Forst, Wanderverein, Naturpark, Tabarzer SV,
Kurverwaltung und Ortswegewart.
 
Ortmann hält nichts davon, dass Tabarz versucht, grell und bunt auf sich
aufmerksam zu machen. Vielmehr will er das Ursprüngliche der Natur erhalten.
Aktivregion ist das Zauberwort mit dem er Wanderer, Kletterer und Radfahrer
anlocken will. Für ihn muss ein Wanderweg nicht von Handläufen begleitet werden,
nur weil es bergan geht. Und einen Bachlauf kann man auch auf Trittsteinen
überqueren. Auf Wegen, die lediglich ausgeschnitten werden, um nicht
zuzuwachsen, können die Wanderer viel mehr entdecken.
 
Neben den Wegen plagt den Kurdirektor ein zweites Problem. An den beiden
Kneipptretbecken im Ort, Arenarisquelle und Inselsbergstraße, lassen es die
technischen Voraussetzungen gegenwärtig nicht zu, dass einmal am Tag komplett
das Wasser ausgetauscht werden kann. Und das, sagt Ortmann, sei für die
entsprechende Wasserqualität unerlässlich.
 
"Die Quelle, die die Kneipp-Anlage in der Inselsbergstraße mit frischem Wasser
versorgt, hat in den vergangenen Wochen zu wenig Wasser geführt um einen
täglichen Wasseraustausch zu gewährleisten. Damit uns dieses Problem in den
kommenden Jahren nicht wieder bevorsteht, muss das rund 40 Meter entfernte
Vorhaltebecken oberhalb der Anlage saniert werden. In diesem könnte ausreichend
Wasser angestaut werden, um das Becken künftig auch innerhalb der Sommermonate
mit frischem Wasser zu speisen." An der Arenarisquelle gibt es Schwierigkeiten
mit der Zuleitung zur Tretanlage. Die Quelle ist weder, wie zunächst angenommen,
versandet, noch ist das Leitungssystem verstopft. Nach bisherigen Erkenntnissen
ist die Zuleitung undicht. Das zu reparieren kosten viel Geld. "Gegenwärtig wird
das Becken täglich geleert und mit frischem Wasser gefüllt. Die derzeitige
Wetterlage macht das nötig.
 
Dennoch kann gerade abends keine angemessene Wasserqualität gewährleistet
werden", sagt der Kurdirektor. Um Abhilfe zu schaffen, will er sich bei den
Gemeinderäten stark machen, dass im kommenden Haushalt Geld dafür eingestellt
wird. Bis zum Abwassern am 6. Oktober ist das Problem wohl nicht gelöst. Bis zum
Anwassern im nächsten Jahr will Ortmann das aber geschafft haben.
 
 
Klaus-Dieter Simmen / 21.09.12 / TA