Klimawandel? Neben den schädlichen Auto-, Heiz- und Rindvieh-Abgasen gibt es da
noch viel, viel mehr, beileibe auch positive Faktoren, die nicht nur in fernen
Sphären gnadenlos global, sondern ausgesprochen lokal wirken und von jedermann
in der Stadt spürbar sind.

Jena. Um die Sinne genau dafür zu schärfen, ist am Mittwoch ein erster Teil des
"Jenaer Klimapfades" eröffnet worden: Ferneren Tags sollen an dem drei Kilometer
langen Wanderweg zwischen Beutenberg-Bushaltestelle und Schottplatz auf dem
Forst mit Hilfe von Sponsoren neun Info-Stationen platziert sein.
 
Deren drei gibt es nun bereits: eine Eröffnungsstation an der
Beutenberg-Bushaltestelle und eine Doppelstation am Ammerbacher Oberweg bei
Lichtenhain. Für Investitionen in das Jenaer Klima zu werben, heiße auch, eine
"gesellschaftliche Rendite" im Blick zu haben: nämlich über das Klima zu
informieren und das Bewusstsein dafür zu fördern, sagte Michael Strosche, Leiter
des Bereichs Arbeit der Überbetrieblichen Ausbildungsgesellschaft ÜAG.


Die ÜAG pflegt das Vorhaben gemeinsam mit dem Stadtforst beim Kommunalservice
KSJ und dem Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz "Think". Zudem
lasse sich das Projekt einbetten in die "Klima-Anpassungsstrategie", die die
Stadtverwaltung als überregionales Förderprojekt erarbeitet, sagte Stadtförster
Olaf Schubert.
 
Besser natürliche Baustoffe nutzen
"Think"-Geschäftsführer Osama Mustafa und sein Mitarbeiter Heiko Griebsch
erläuterten, dass Jena wegen seiner Landschaft klimatisch besonders spannend
sei.  Etwa die starke Reliefbildung und die somit mannigfaltigen Kaltluftströme.
Oder die Tallage mit ihren "Wärmeinseln", wo "mit mehr oder weniger Grün
klimatische Effekte im kleinen Maßstab" entgegengesetzt werden können, wie Heiko
Griebsch sagte.
 
Die Doppelstation bei Lichtenhain birgt zum Beispiel Hinweise zur
Stadtvegetation wie auch zum Stadtklima: Welche Wechselwirkungen entstehen durch
die Bebauung samt Abwärme und Schadstoffausstoß? Weshalb sind die Temperaturen
im dicht bebauten Stadtgebiet und im dünn bebauten Umland unterschiedlich? Und
konkret für die Sinne: Anhand von vier Sitzquadern aus unterschiedlichen
Werkstoffen sollen die Besucher verstehen lernen, dass Bauwerk, je nach
Material, Wärme unterschiedlich aufnehmen und ausstrahlen.
 
Was wäre demnach städtbaulich ungünstig? "Viel Metall, viel verspiegeltes
Material, viel Beton", sagte Heiko Griebsch. Es böten sich also eher natürliche
Baustoffe an. Freilich lasse sich das nicht verabsolutieren; der
Wärmeinsel-Effekt etwa beim Freiluft-Areal eines Restaurants könne ja allemal
erwünscht sein.
 
Wie weiter mit dem "Klimapfad"? Vorreiter ist Bäckerei-Unternehmer André Czech.
Er bietet in seinen Läden statt Plastetüten die ökologisch sinnvollen
Baumwollbeutel zum Stückpreis von einem Euro an und führt davon 50 Cent ins
"Klimapfad"-Projekt ab: So konnte eine Info-Station finanziert werden.
 
Interesse am Sponsoring von Stationen? Anrufen unter (03641)-806428; -806800;
5733250 oder Mailen an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
Im Elektrobus lautlos durch Jena: Solaris wirbt mit Testfahrt
Fliegender Fisch: Jenaer Forscher vermessen Thüringer Becken
 
Lioba Knipping / 25.10.12 / TLZ