Ein rund 90 Kilometer messendes Wanderwegenetz mit über 300 Beschilderungen und
19 kleinen und großen Brücken macht es möglich. All das will allerdings instand
gehalten sein. Eine nicht immer leichte Aufgabe.

Schmölln. Schmölln zählt zwar zu den waldärmeren Gegenden in Thüringen. Aber
sicherlich nicht zu denen, die arm an Wald- und Wanderwegen sind. Rund 150
abzuwandernde Kilometer gab es um die Jahrtausendwende herum. Zwölf Jahre später
sind es zwar nicht mehr ganz so viele. Doch auf stattliche rund 90 Kilometer
kommt der Wanderfreund noch immer, will er Schmölln und seine Ortsteile
konsequent auf Schusters Rappen erkunden.


90 Kilometer, die instand- und begehbar gehalten sein wollen. Allein damit stößt
die Stadtverwaltung Schmölln mitunter an ihre Grenzen. "Die Wanderwege gelten
als untergeordnet auf der Prioritätenliste des KommunalService", erläutert
Bauamtschef Bernd Schneider.
 
Lediglich an den beliebtesten Strecken - beispielsweise in den Lohsen oder auf
dem Pfefferberg - werde regelmäßig Hand angelegt. Eher selten benutzte Wege
wiederum ein Beispiel ist jener der hinterm Großstöbnitzer Sportplatz beginnt
kommen laut Schneider dran, wenn Luft ist. Und Luft ist selten angesichts des
breiten Aufgabenspektrums des KommunalService. Zumal die Zeiten, in denen
Schmöllns Wander- und Waldwege vornehmlich von ABM-Kräften, Ein-Euro-Jobbern
oder Bürgerarbeitern gehegt und gepflegt werden konnten, vorbei sind. Denn der
zweite Arbeitsmarkt ist seit längerem schon so gut wie leer gefegt.
 
Eine Tatsache, die den Mitgliedern des Heimat- und Verschönerungsvereines
Schmölln, dem Bernd Schneider vorsitzt, reichlich Arbeit beschert. Denn sie
schauen in ihrer Freizeit auf Schmöllns Wanderwegen nach dem Rechten und geben
der Stadt Bescheid, wenn irgendwo gar kein Durchkommen oder etwas sehr dringend
zu reparieren ist.
 
Aber vor allem zeichnen sie entlang des Wanderwegenetzes für dessen exakte und
intakte Beschilderung verantwortlich. Gleiches gilt für die zahlreichen
Schautafeln, so am Sprotteerlebnispfad. Um dabei stets den Überblick zu
behalten, existiert sogar ein richtiges kleines Nachschlagewerk über alle
Standorte. Und eine neue Wanderwegekarte mit den Schilder-Markierungen liegt
druckfrisch vor. Insgesamt 55 Standorte mit über 300 Beschilderungen sind darauf
verzeichnet.
 
Für Johannes Fabian aus Schmölln und Fredi Landgraf aus Schloßig sind dies
wichtige Arbeitsgrundlagen. Denn die beiden Männer haben das Beschilderungsnetz
in und rund um Schmölln stets im Blick. "Gerade in den vergangenen Wochen hatten
wir jede Menge zu tun", schildert Johannes Fabian. Denn die hölzernen Pfähle, an
denen die Hinweise festgemacht sind, müssen regelmäßig überprüft und
gegebenenfalls ausgewechselt oder repariert werden.
 
Hinzu kommen jene Hinweisschilder, die nicht mehr lesbar sind. Ganz zu Anfang
haben die Mitglieder des Heimat- und Verschönerungsvereines Schmölln diese noch
per Hand bemalt und beschriftet. Dafür ist heute keine Zeit mehr, weshalb eine
Firma mit dem Schilderdruck beauftragt wurde.
 
Für die neuen Pfähle, die in den vergangenen Wochen gebraucht wurden,
engagierten sich übrigens nicht wenige Schmöllner Firmen. Rund 1500 Euro
spendierten sie für die Reparaturen. "Sonst hätten wir das gar nicht so schnell
umsetzen können", erläutert Johannes Fabian weiter.
 
Länger auf sich warten ließ indes die neue Brücke am Sprotteerlebnispfad
zwischen Schloßig und Steinsdorf. Sie musste neu gebaut werden, eine
Projektierung war nötig, das bestellte Holz ließ auf sich warten. Jetzt ist sie
fertig. Fredi Landgraf und Johannes Fabian nahmen sie gestern in Augenschein.
 
Diese Wanderwegbrücke ist eine von insgesamt 19 im Stadtgebiet und in den
Ortsteilen, ihre Spannweiten liegen zwischen 1,5 und 18 Meter. Auch deren
Instandhaltung fällt in die Verantwortung der Stadt. Manchmal reichen dafür
schon kleinere Handgriffe. Manchmal eben nicht.
 
Allein die Brücke zwischen Schloßig und Steinsdorf kostete rund 6000 Euro. Eines
der größten Wanderbrücken-Sorgenkinder findet sich im Köthelgrund. Wann hier
eine Instandsetzung ansteht, wusste Bernd Schneider noch nicht zu sagen.
 
 
Jana Borath / 01.08.12 / OTZ