Stadtverwaltung und Stadtrat wollen ihn und bitten die Bevölkerung um Hilfe.
Verkehrszählung zwischen Schmölln und Sommeritz listet 65 Radfahrer aber nur 600
Autos und Transporter am Tag.

Schmölln/Sommeritz. Nicht nur die Sommeritzer wollen einen Radweg, der ihr Dorf
mit der Stadt Schmölln verbindet. Auch die Weißbacher und Brandrübeler wollen
ihn. Diesen Wunsch unterstrichen am Montagabend Einwohner aus allen drei
Schmöllner Ortsteilen während der Sitzung des Technischen Ausschusses des
Schmöllner Stadtrates. Auf dessen Tagesordnung stand nämlich unter anderem die
Auswertung der Verkehrszählung an drei Septembertagen, mit der sich die
Stadtverwaltung Argumente für den Bau dieses Radweges verschaffen wollte.


Und laut dieser Zählung wird die Strecke zwischen Sommeritzer Straße in Schmölln
und dem Ortsteil Sommeritz recht rege genutzt von Fahrradfahrern. Immerhin
durchschnittlich 65 Menschen radeln täglich zwischen beiden Orten hin und her.
Laut der Sommeritzer, Weißbacher und Brandrübeler am Montagabend würden es
sicherlich noch mehr sein, wenn diese Kreisstraße nicht so stark befahren sein
würde von Pkw und Schwerlastern oder landwirtschaftlicher Technik.
 
"Ich würde meine Kinder niemals mit dem Rad von Sommeritz nach Schmölln fahren
lassen. Das ist viel zu gefährlich", umriss am Montagabend beispielsweise
Christian Fischer aus Sommeritz die Situation und damit die Notwendigkeit für
einen Radweg. Wenn es den gäbe, so Fischer weiter, sehe das schon anders aus.
Und Mirko Schnelle, Chef des in Sommeritz beheimateten Tennisclubs Schmölln
forderte ausdrücklich einen Radweg in den Schmöllner Ortsteil. "Unsere
Mitglieder, viele davon sind Kinder und Jugendliche, kommen mit dem Rad. Was
sehr gefährlich ist." Außerdem, fügte Carsten Östreich hinzu, sei die Forderung
nach einem Radweg nach Sommeritz nicht neu. Auf Bürgerversammlungen der Stadt
sei das Thema in der Vergangenheit schon mehrmals angesprochen worden. "Und das
schon seit mehreren Jahren", sagte er.
 
Ausschusschef Matthias Jähler (parteilos, CDU-Fraktion) betonte während der
Debatte ausdrücklich, dass die Mehrheit des Schmöllner Stadtrates für diesen
Radweg sei. Allerdings, so fügte er hinzu, sei der Bau ohne Fördermittel nicht
machbar. Ein entsprechender Antrag der Stadt beim Thüringer Ministerium für Bau,
Landesentwicklung und Verkehr sei indes in diesem Sommer abschlägig beschieden
worden. "Weshalb es jetzt darum gehen muss, Argumente zu sammeln, die für die
Wichtigkeit dieser Verbindung und deren Förderfähigkeit sprechen", so
Bürgermeisterin Kathrin Lorenz (CDU). Ein Steinchen in diesem sicher sehr
umfangreichen Mosaik sei wiederum die jüngste Verkehrszählung zwischen Schmölln
und Sommeritz. Diese brachte jedoch auch ans Licht, dass diese Kreisstraße von
Auto- und Lkw-Verkehr mit 600 Fahrzeugen am Tag eher mäßig befahren ist.
Zumindest rechtfertigt diese Zahl keine Trennung von Kraft- und Fahrradverkehr
per Radweg. "Diese Notwendigkeit geht erst bei 2500 Fahrzeugen pro Tag los", so
Bauamtschef Bernd Schneider. Er ermunterte deshalb die Einwohner von Schmölln
und ihrer Ortsteile, der Verwaltung weitere Argumente für den Radwegbau nach
Sommeritz zu liefern. "Interessant ist für uns alles. Vor allem all das, was wir
als Verwaltung vielleicht gar nicht so wahrnehmen können", sagte er. Weshalb er
beispielsweise dem Tennisclub in Sommeritz dankbar wäre, wenn er das Bauamt mit
konkretem Zahlenwerk versorgen könnte, wie viele seiner Mitglieder regelmäßig
mit dem Rad von Schmölln nach Sommeritz zur Tennisanlage unterwegs sind.
 
Als ein weiteres Argument für das Projekt nannte Schneider die Tatsache, dass
die Verbindung SchmöllnSommeritz Bestandteil des Wander- und Radwegekonzeptes
Thüringen sei, das von der Landesregierung erst in diesem Jahr aktualisiert
worden sei. Die Kosten für einen Radweg nach Sommeritz belaufen sich laut
Schneider auf etwa 260 000 Euro. Wobei die Stadt eine Förderung von rund 190 000
Euro benötigt. Die Restsumme wäre der Eigenanteil Schmöllns und soll im Etat
2013 eingeplant werden, so der Bauamtschef.
 
 
Jana Borath / 10.10.12 / OTZ