Landrätin Michaele Sojka lehnt Vertrag zur Bildung einer kommunalen
Arbeitsgemeinschaft für Viaduktradweg ab. Kreistag folgt ihr mehrheitlich.
SPD-Fraktion ist bestürzt. Wirtschaftsförderer sieht Bahn nach wie vor in der
Pflicht.

Altenburg. Der Kreistag sagt Nein zum Projekt Viaduktradweg. Auf ihrer jüngsten
Sitzung stimmten die Abgeordneten mehrheitlich gegen eine weitere Beteiligung
des Landkreises bei der Bildung einer kommunalen Arbeitsgemeinschaft
"Viaduktradweg". Landrätin Michaele Sojka (Die Linke) hatte sich zuerst zu Wort
gemeldet in dieser Diskussion und erklärt, dass sie gegen die Beschlussvorlage
stimme. Nicht, weil sie sich vor der Koordinierung der Arbeitsgruppe fürchte,
sondern weil das Ziel derzeit keine Chance zur Realisierung habe. Zwar wolle das
Land Thüringen den geplanten Radweg zu 90 Prozent fördern. "Das betrifft aber
nicht die Sanierung des Bauwerkes mit seinen vier Viadukten, das sich in Besitz
der Bahn befindet", so die Landrätin. "Ich denke", argumentierte sie, "dass wir
derzeit andere Dinge auf der Agenda haben, die wir pflichtgemäß erledigen
müssen."


Insgesamt über vier Millionen Euro werden aktuell für die Verwirklichung des
Projektes Viaduktradweg veranschlagt. Die Bahn als Eigentümer des
Brückenbauwerkes wollte sich lange Zeit nicht an dem geplanten Rad-, Wander- und
Skaterweg beteiligen, der von Altenburg bis ins sächsische Narsdorf reicht.
Jüngst aber gab es Gespräche mit Vertretern des Unternehmens, in denen die Bahn
signalisierte, sich mit einer nicht unerheblichen Summe an der Brückensanierung
zu beteiligen. "Doch", so Wolfram Schlegel, Wirtschaftsförderer des Landkreises,
gestern im Gespräch mit OTZ-Schmöllner Nachrichten, "würde diese Summe
langfristig bei weitem nicht ausreichen, die Viadukte zu erhalten." Nach
Schlegels Meinung ist hier eindeutig die Bahn gefordert. Der Landkreis
jedenfalls könne sich angesichts seiner Haushaltssituation eine finanzielle
Beteiligung an diesem Projekt nicht erlauben. "Wir als Verwaltung können mit
unserer Kompetenz und bei organisatorischen Angelegenheiten helfen, wenn es um
den Viaduktradweg geht", so Schlegel. Die SPD indes ist verärgert über Sojkas
klare Ablehnung. "Das war für uns sehr überraschend", meldet sich Fraktionschef
Dirk Schwerd zu Wort. "Mit der Ablehnung hat der Kreistag nach Erfurt das
falsche Signal gesendet und so den Viaduktradweg ohne Not beerdigt."
 
Die SPD-Fraktion sei zudem der Auffassung, dass damit einem touristischen
Leuchtturmprojekt im Landkreis der Boden entzogen worden sei. Die bislang vom
Landkreis Altenburger Land mit rund 40 000 Euro bezahlte Machbarkeitsstudie sei
damit für die Schublade erstellt worden. "Bis zur Kreistagssitzung bin ich davon
ausgegangen, dass die gemeinsam mit uns erstellte Verwaltungsvorlage auch von
der Landrätin unterstützt wird. Dass sie den Viaduktradweg ablehnt, hat mich
bestürzt. Man hätte sich Zeit, Mühe und Verwaltungskosten sparen können, wenn
Frau Sojka eine stringente Linie bei diesem Thema gefahren wäre", zeigt sich
Dirk Schwerd empört