So kann es nicht weitergehen. Kreiswegewart Lothar Fulle rauft sich die Haare,
wenn er an die Unterhaltung des Wanderwegenetzes im Unstrut-Hainich-Kreis in den
nächsten Jahren denkt. Bislang außerhalb des Nationalparks Hainich fast
ausschließlich von ehrenamtlichen Orts- und Vereinswegewarten vorgenommen, haben
diese mittlerweile das 70. Lebensjahr überschritten.

Mühlhausen. Damit kommt es, verständlicherweise, auch zu deutlichen
Unterschieden in der Qualität des Wegenetzes. Der Einsatz von ABM-Kräften und
Promo-Beschäftigten bei der Pflege ist längst nicht mehr gegeben. Dagegen sind
die Wanderwege im Nationalpark und im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal gut
begehbar und gepflegt, weil sie durch hauptamtliche Ranger unterhalten werden.
Doch das Wanderwegenetz ist nach Aussage des Kreiswegewartes vier- bis fünfmal
größer als das im Hainich und im Naturpark.


Dazu kommt, dass die Flächen außerhalb der beiden Parks als Wirtschaftswald
ausgewiesen sind. Bedeutet, so Fulle: Die Wege sind einer sehr viel stärkeren
Belastung durch Holzeinschlag und durch Holzabfuhr belastet. Und noch etwas weiß
der Kreiswegewart: Durch den Forst soll es intensive Bestrebungen zum Rückbau
von Wanderwegen geben, um dadurch die Verkehrssicherungspflicht zu reduzieren."
Und dass naturbelassene Wanderwege vor allem im Herbst und Frühjahr häufig von
Mountainbike-Fahrern und Reitern genutzt und beschädigt werden, ist schon lange
in der Diskussion. Das führt zu Ärger bei den Wanderern, aber auch und besonders
bei denen, die diese Wege gepflegt haben.
 
Thema in kommunaler Arbeitsgemeinschaft
Für Landrat Harald Zanker (SPD) ist die Sorge des Kreiswegewartes
nachvollziehbar, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. Er stimme ihm voll zu,
dass das Problem, gerade auch durch die neuangelegten Wanderwege, ein großes
Thema sei. Daher soll es auch auf die Tagesordnung kommen, wenn die kommunale
Arbeitsgemeinschaft (KAG) zu ihrer nächsten Arbeitsberatung zusammenkommt. Dabei
sollen organisatorische und finanzielle Möglichkeiten geprüft werden. Gehts
nicht ein wenig konkreter? Geht, meint er.
 
So sei die Anspielung von Fulle, auch hauptamtliche Verantwortungen bei der
Pflege der Strecken zu prüfen, überlegenswert. "Wir werden darüber zu reden
haben", räumte der Behördenchef ein. Dafür gebe es angesichts der
Haushaltssituation aber nur zwei Wege. Entweder das aus eigenem
Arbeitskräftebestand zu sichern oder für entsprechende Projekte Fördertöpfe
anzuzapfen. Auch beides. In seiner Sorge um den Fortbestand der gepflegten
Wanderwege schrieb Fulle neben dem Landrat auch Mühlhausens Oberbürgermeister
Johannes Bruns (SPD) und Bad Langensalzas Bürgermeister Bernhard Schönau (FDP)
einen Brief. In ihm wies er darauf hin, dass ein gut ausgebautes Wanderwegenetz
die Voraussetzung dafür sei, "dass sich Wandertourismus als Wirtschaftsfaktor im
Unstrut-Hainich-Kreis etabliert."
 
Mit dem Hainichlandweg seien erste Versuche gestartet worden, etwa die Idee
"Wandern ohne Gepäck zwischen Unstrut und Hainich" umzusetzen. Auch würden die
Wanderkarten als Orientierungshilfe für Natur- und Wanderfreunde regelmäßig in
Zusammenarbeit der Verlage mit dem Kreiswegewart aktualisiert. Neu erschienen
sind nach dessen Auskunft Wanderkarten für den besagten Hainichlandweg und
Mühlhäuser Stadtwald. Eine weitere Wanderkarte sei in Arbeit. Besonders an die
beiden Städte gerichtet, bemängelte Fulle die Situation beim Radwegenetz. Zwar
sei das Netz im Landkreis in den letzten Jahren "sehr gut ausgebaut" worden.
 
Doch die Anbindung der Radwege innerhalb von Mühlhausen und Bad Langensalza an
das Radwegenetz des Kreises sei unzureichend. Und: Die Beschilderung innerhalb
der Städte müsse komplettiert werden. "Das ist auf jeden Fall ein Thema", wie
gestern Bruns unserer Zeitung sagte, "um uns touristisch noch besser vermarkten
zu können." Er habe unlängst ein Gespräch mit Blasius-Pfarrer Andreas Schwarze
gehabt, der darauf verwiesen habe, dass etwa der Pilgerweg von Loccum nach
Volkenroda sehr gut ausgeschildert sei. Aber in Mühlhausen gehe dann nichts
mehr. Da müsse man ran und das in Ordnung bringen. Mit einem Konzept, das rasch
umgesetzt werden müsse. Und die ebenso kritisierte Beschilderung? "Die schließe
er natürlich mit ein. Ich bin selbst ein leidenschaftlicher Wanderer, und es
nervt, wenn du an einem Punkt angekommen bist, wo es nicht weitergeht."
 
 
Jürgen Wand / 12.09.12 / TA