Matthias Thüsing über das Radeln im Wald
Wer sein Rad liebt, der schiebt.
 
Dieser Satz ist eigentlich nichts für die Tageszeitung, weil keineswegs neu. Wer
allerdings den Wald liebt, der schiebt demnächst auch - jedenfalls sobald er die
Landesgrenze von Thüringen in Richtung Hessen überquert hat. Denn unsere
westlichen Nachbarn haben den Radlern im Forst den Kampf angesagt.
 
Nur noch auf festen Waldwegen, so sieht es die Novelle des hessischen
Waldgesetzes vor, darf demnächst in die Pedale getreten werden. Unter "festem
Waldweg" könne man sich einen Weg vorstellen, der bereits von einem Kleinst-Pkw
befahren werden könnte, erläutert das hessische Umweltministerium auf seiner
Webseite.


Der Vergleich ist dabei natürlich nur theoretischer Natur - denn schließlich
haben auch Kleinwagen auf Waldwegen nichts zu suchen. Nicht einmal, wenn sie
geschoben werden.
 
"Die doofen Hessen", mag sich jetzt so mancher denken. "Müssen die alles
verbieten, was Spaß macht?" Doch wie groß wird die Überraschung sein, wenn ihm
auf Thüringer Seite des thüringisch-hessischen Grenzgebietes dann doch einmal
ein Förster auf unbefestigtem Weg entgegenkommt.
 
"Laut Thüringer Forstgesetz ist das Radfahren im Freistaat schon seit Langem nur
auf befestigten Wegen erlaubt", so der Sprecher des Umweltministeriums.
 
Allerdings hält sich kaum einer an die Regelung. Mit den Jahren ist das Wissen
um diese Vorschrift im öffentlichen Bewusstsein irgendwie beiseite geschoben
worden.
 
 
Matthias Thüsing / 12.09.12 / TA