Seit gestern besitzt Jena eine neue Brücke. Sie ist zwar noch nicht ganz fertig,
aber ihr Gerüst für die Seitenwände überspannt schon in einer Breite von 33
Metern die Saale bei Kunitz.

Kunitz. Der Brückenschlag erfolgte in zwei Schritten: Mit einem Riesenkran
wurden die zwei je 15 Tonnen schweren Brückenscheiben (Seitenwände) vom Platz
ihrer Montage am Saaleufer in wenigen Minuten über den Fluss gehoben und ganz
präzise auf die Sockel gesetzt. Das klappte alles bestens und auch gleich
jeweils mit dem ersten Versuch. Nun müssen die beiden Gerüstscheiben der Brücke
verbunden werden, der drei Meter breite Geh- und Radfahrerweg auf der Brücke
muss ebenso gebaut werden wie das Schiefer-Dach und die Verkleidung mit den je
zwei Fenstern zu beiden Seiten der Brücke.


Alles soll so werden, wie es schon einmal war, als von 1832 bis 1945 an dieser
Stelle die alte Holzhausbrücke stand, die im zweiten Weltkrieg von den Nazis
gesprengt worden war.
 
Klar, dass die Freude beim Kunitzer Brücken- und Denkmalverein riesig war. Denn
nun nimmt ihr Vorhaben, das sie jahrelang schon vorangetrieben haben, endlich
für alle sichtbare Konturen an. Die Mitglieder des Vereins werden einen Gutteil
der Verkleidungsarbeiten selbst übernehmen und haben dafür schon jede Menge Holz
zugeschnitten. "Wir hoffen, dass wir Mitte Oktober unser Arbeiten beginnen
können", sagt der Vereinsvorsitzende Lothar Schlegel. Ziel sei es, am 9. und 10.
November mit einem Fest an der Zwätzener Seite der neuen Holzhausbrücke deren
Einweihung zu feiern.
 
Ein Termin, der nach Ansicht von Projektleiter Ulrich Günther sowie Levente
Sarközy, beide vom Kommunalservice Jena, gehalten werden kann. Es habe zwar
einige Verzögerungen gegeben, weil sogar einmal auf der Baustelle das Baugerüst
gestohlen wurde. Aber das Wetter habe mitgespielt, und die Firma BR Ingenieurbau
Elxleben habe gute Arbeit geleistet.
 
Zusammen mit den beiden Vorlandbrücken, die die Verbindung der Brücke mit den
Landwegen herstellen, wird das Brückenbauwerk insgesamt 75 Meter breit sein.
Gedacht ist die Brücke ausschließlich für Fußgänger und Radfahrer. Die Brücke
übrigens aus Lärchenholz ordnet sich damit ein in den Saale-Rad-Wanderweg,
dessen Bau nächstes Jahr beginnen soll. Etwa ein Kilometer wird er entlang der
Saale in Richtung Stadt gebaut. Und 1,6 Kilometer Radweg werden am Saaleufer
nach Norden entstehen. Außerdem wird an der Brücke auch eine Treppe zum Wasser
errichtet, so dass Bootswanderer hier anlegen und starten können. Auf der
Zwätzener Seite wird zudem noch ein Rastplatz mit einer Informationstafel
gebaut, wofür die Vereinsmitglieder schon ihre Mithilfe angekündigt haben.
 
Übrigens: Die neue Holzhausbrücke soll sicher sein vor Hochwasser. Man habe sich
an dem alle 100 Jahre auftretenden höchsten Saale-Hochwasser orientiert, sagt
Ulrich Günther. Selbst wenn dies eintreten sollte, würde sich der Wasserstand
immer noch einen halben Meter unter der Brücke befinden.
 
 
Michael Groß / 20.09.12 / OTZ