Die Testphase endete am Dienstag. Die umweltfreundliche Stadtrundfahrt wurde nur
zögerlich genutzt.

Gotha. Seit Juni gehört das sonnenblumengelbe Velo-Taxi von Martin Weidemann
zumindest an Dienstagen zum Gothaer Stadtbild. Der junge Erfurter bot im Auftrag
der Fernwärmestadtwerke Gotha GmbH Stadtrundfahrten für zwei Personen mit seiner
Fahrrad-Rikscha an und startete damit eine Testphase in Gotha. Am Dienstag
absolvierte der 29-Jährige seine letzten Fahrten.


An 16 Tagen hat sich das gut drei Meter lange Velo-Taxi durch manch engen Winkel
in Gothas Innenstadt gequält - ein normaler Anblick ist es für viele Gothaer
dennoch nicht. Bei der Fahrt vom Marktplatz über den Neumarkt und durch die
Erfurter Straße schauen die Passanten neugierig, manche winken. Martin Weidemann
zirkelt mit seinem Gefährt um Poller und Absperrketten, plaudert nebenbei über
Gothas Stadtgeschichte, erklärt die Sehenswürdigkeiten am Streckenrand. Über die
Friedrichstraße geht es zum Versicherungsmuseum, durch den Purgoldweg in den
Schlosspark. Selbst als Weidemann die Südauffahrt zum Schloss Friedenstein unter
seine drei Räder nimmt, kommt er beim Erzählen kaum ins Stocken. Ein
Elektroantrieb mit Solarunterstützung macht es möglich.
 
Abrupt stoppt das Velo-Taxi erst an der Toreinfahrt zum Schlossinnenhof. Hier
ist Radfahren verboten. Neben dem Eingang steht das bekannte Fußwegschild mit
Mutter und Kind. "Ich möchte meinen Fahrgästen natürlich auch das Schloss
zeigen, aber wenn ich in den Innenhof fahre, dann gibt es immer Stress", zeigt
Weidemann wenig Verständnis für das Radverbot der Schlossherren. Schieben ist
allerdings erlaubt. "Mit zwei Fahrgästen lässt sich das Rad aber nur schwer
schieben", erklärt Martin Weidemann und gibt zu, das Verbot ein paar Mal
missachtet zu haben.
 
Ab Mittwoch braucht sich der Velo-Taxifahrer darüber keine Gedanken mehr zu
machen, die Testphase in Gotha ist beendet. "Aus wirtschaftlicher Sicht hat sich
der Betrieb kaum gelohnt, es gab Tage, da kam kein einziger Fahrgast", zieht
Weidemann ein Resümee. "In Erfurt ist mehr Traffic, da habe ich bis zu sechs
Fahrten am Stück." Während in der Landeshauptstadt nach Schätzungen Weidemanns
40 Prozent Einheimische und 60 Prozent Touristen das umweltfreundliche
Radtransportangebot nutzen, waren es in Gotha fast ausschließlich Touristen.
 
Ein Paar aus dem Schwarzwald machte in Bad Liebenstein Urlaub, erfuhr von dem
Angebot und kombinierte eine Waldbahnfahrt nach Gotha mit einer Stadtrundfahrt -
die Stunde zu 21 Euro - mit dem Velo-Taxi. Andere bestellten von Apolda aus eine
Fahrt, und am Dienstag nutzten Gothaer die Möglichkeit und ließen sich von ihrer
Haustür zu einer Stadtrundfahrt abholen. Mancher war von der Fahrt so
begeistert, dass er im Anschluss Weidemann zu Kaffee und Kuchen einlud.
 
Wer erst jetzt auf den Geschmack zu einer Rikschafahrt kommt, der kann nur in
Erfurt eine Fahrt mit dem "Velotaxi Thüringen" unternehmen oder muss warten, bis
in Gotha eigene Radtaxis fahren. Zu Beginn der Testphase hatte Elmar Burghard,
Geschäftsführer der Fernwärmestadtwerke Gotha GmbH, noch in Aussicht gestellt,
bei erfolgreichem Testverlauf ein eigenes Velo-Taxi für Gotha zu kaufen.
 
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Dirk Bernkopf / 26.09.12 / TA