Gerd Frixel (54) lebt in Weberstedt und ist gelernter Agrotechniker. Seit 33
Jahren arbeitet er im Forst. Er gehört zu den ersten Rangern, die im
Nationalpark Hainich ihren Dienst aufnahmen. Er fährt oft Streife durch den
Wald.

Ich fahre regelmäßig mit dem Fahrrad auf Streifendienst. Es ist gut, auch einmal
so unterwegs zu sein. Denn so kommt man mit Radwanderern viel besser ins
Gespräch und hat auch einen anderen Blick auf die Bedürfnisse dieser
Besuchergruppe. Die Zahl der Radfahrer im Nationalpark Hainich hat in den
vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Schließlich hat sich die Infrastruktur
deutlich verbessert. Die alten Militärplattenwege wurden überschottert,
sämtliche Radwanderwege sind in gutem Zustand.


Es ist tatsächlich so, dass man von Radfahrer zu Radfahrer besser miteinander kommunizieren kann. Etwa an der
Westseite des Hainichs. Dort gibt es Wege, die ziemlich abschüssig sind und dann
müssen die Radfahrer unten die Kurve kriegen. Bin ich zu Fuß unterwegs und warne
sie, dass sie dort auf Fuhrwerke achten müssen, dann werde ich gelegentlich
ignoriert. Spreche ich sie als Radfahrer an, wird mir hingegen Gehör geschenkt.
Ein weiterer Vorteil der Radstreife ist, dass wir so längere Strecken
kontrollieren können, als das zu Fuß möglich ist. Insgesamt sind drei Ranger als
Radstreife eingeteilt. Wir achten auf den Zustand der Wege und darauf, ob die
Beschilderung auch aus Radfahrersicht in ordnung ist. Denn Radwanderer sind
schneller unterwegs. Ist ein Schild zu klein oder ungünstig angebracht, sind sie
vorbeigesaust, ohne es zu bemerken. Nicht alles, was für Wanderer funktioniert,
ist auch für Radfahrer ausreichend. Momentan gibt es im Nationalpark 40
Kilometer Radwanderwege. Hier sind Radler ebenso unterwegs wie Fußgänger. Reine
Wanderpfade hingegen sollten von den Radwanderern nicht genutzt werden. Hier
geht es zu eng zu und viele der Wege sind einfach nicht radtauglich. Das führt
zu Konflikten zwischen verschiedenen Besuchergruppen, das muss nicht sein.
Die Randwanderwege, die es gibt, sind aber sehr schön und zum Teil auch
anspruchsvoll. Der Hainich ist zwar kein Gebirge, aber manchmal muss man schon
ganz ordentlich strampeln. Inzwischen sind allerdings Elektro-Bikes im Kommen.
Vor allem viele ältere Radwanderer wissen sie zu schätzen, weil so das Radeln
viel weniger anstrengt. Wir bieten auch von Rangern geführte Radtouren durch den
Hainich an. Neulich habe ich eine Gruppe Profis begleitet, die von Bayern bis
hierher geradelt sind, um für das Rettungsnetz Wildkatze zu werben. Ich hatte
erst ein wenig Bedenken, weil sie super durchtrainiert waren. Wir sind aber gut
miteinander klargekommen
 
Notiert von Britt Mandler / 27.08.12 / TA