Die Landeshauptstadt fühlt sich für den Wanderweg, der am Benediktsplatz
beginnt, nicht zuständig.

Erfurt. Um den 49 Kilometer langen Nessetal-Radeweg zwischen Erfurt und dem
Kindel bei Eisenach eskaliert ein Streit zwischen der Stadt und den anderen
Anliegern entlang der Wegstrecke. Zwar hatte Oberbürgermeister Andreas
Bausewein(SPD) Anfang April den Abschnitt zwischen Frienstädt und Gamstädt mit
eingeweiht, doch fühlt sich die Stadt dafür nicht zuständig. Der Weg ist nicht
ausgeschildert, obwohl er von der Altstadt aus über Hochheim, Schmira,
Frienstädt auf Erfurter Territorium Richtung Gotha führt (wir berichteten).


Er sei "für Erfurt touristisch nicht relevant", sagte Erfurts Tourismuschefin
Carmen Hildebrandt unserer Zeitung. Die Stadt sei in den vergangenen Jahren in
die Einrichtung des Radweges nicht einbezogen worden. Sie selbst habe nur durch
Zufall von dem Weg erfahren. Auch sei er zu teuer. Zudem sei ein Radweg, der wie
dieser irgendwo und ohne Anschluss ende, nicht sinnvoll und auf Dauer nur schwer
zu erhalten und zu vermarkten, so Hildebrandt. Erfurt präferiere vielmehr den
Gera- sowie den Städteketten-Radweg als Fernradwege. Der Tourismusverein Gotha
zeigt für diese Haltung wenig Verständnis. Der Weg beginne mitten in der
Erfurter Altstadt, und zwar am Benediktsplatz, argumentiert Bettina
Aschenbrenner vom Tourismusverein Gothaer Land. Er ende auch nicht in einer
Sackgasse, sondern direkt vor der Eisenacher Stadtgrenze und sei damit
hervorragend an die großen touristischen Ziele der Region angebunden. Der Weg
sei eine Erlebnisroute für Thüringer wie auswärtige Touristen und nicht zu
unterschätzen. Der Weg sei auf einschlägigen Messen präsentiert worden, es gebe
eine Radwanderkarte und er werde gut genutzt, so der Tourimusverein Gotha. So
würden viele Gäste den Landeplatz am Kindel besuchen, das Bad in Warza, den
Speicher Friemar; ein Eisenbahnwaggon auf der Strecke sei zu einem originellen
Imbiss umgebaut geworden. Der Städteketten-Radweg verläuft auf der anderen Seite
der B 7. Auch die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Mittleres Nessetal hat für die
ablehnende Haltung der Stadt Erfurt kein Verständnis. Das Mittlere Nessetal
hatte den Radweg 2009 mit initiiert und dafür gesorgt, dass der Verlauf des
Radweges auf einer einstigen Bahnstrecke von Bufleben zum Kindel gesichert
wurde, auf der einst Panzer zum Truppenübungsplatz transportiert wurden. Der Weg
gehöre den Gemeinden, durch deren Gemarkung er führe, auch der Stadt Erfurt,
sagt Cornelia Frohn, die Chefin der Verwaltungsgemeinschaft. Beteiligt sind
außer Erfurt die Verwaltungsgemeinschaften Mittleres Nessetal, Nessaue, außerdem
die Gemeinden Nesse-Apfelstädt und Hörselberg-Hainich. Die Stadt Erfurt hatte
auch den Bau des Radwanderweges finanziell unterstützt und für den Abschnitt
zwischen Frienstädt und Gamstädt 70 000 Euro beigesteuert. Die Strecke ist zu 90
Prozent über die Thüringer Aufbaubank aus Mitteln des Bundes und der EU
gefördert worden.
 
Mit der Ausschilderung des Weges soll, so Cornelia Frohn, noch dieses Jahr
begonnen werden. Ende 2013 wird der Weg dann komplett fertig gestellt sein. Er
soll auch Übergänge zu anderen Radwanderwegen in Thüringen erhalten. Insgesamt
werden drei Millionen Euro in den Radwanderweg investiert. Entlang der Nesse:
Der Nessetalradweg ist 49 Kilometer lang, er führt von Erfurt zum Kindel bei
Eisenach. Der Höhenunterschied beträgt 200 Meter bis 320 Meter über NN. Der Weg
besteht überwiegend aus einer Bitumendecke, teilweise führt er über eine
Betonstraße.
 
Angelika Reiser-Fischer / 28.08.12 / TA