Das Konzept "Forsten und Tourismus" verbindet die Interessen und Ansprüche von
Waldeigentümern und -nutzern. 19.000 Kilometer Wanderwege, fast 7.000 Kilometer
Radwege und mehr als 1 000 Kilometer Skiloipen gibt es in Thüringen.
Längst haben nicht nur Wanderer die Vorteile des Thüringer Waldes für sich
entdeckt. Mit allem, was sich bewegt, erkunden die Touristen von heute die Wege
über Berge und Täler. Sie wollen Natur aktiv erleben. Wald ist zum touristischen
Anziehungspunkt geworden. Vor allem die Nachfrage nach Radwegen ist enorm
gestiegen. "Dieses Potenzial gilt es für Thüringen zu nutzen, aber eben nur im
Einklang mit der Natur", betont Marietta Schlütter, Geschäftsführerin des
Regionalverbundes Thüringer Wald e.V. Das "grüne Herz Thüringens" bietet aber
nicht nur Raum für Erholungssuchende Wald ist Rohstoffquelle, Lebens- und
Arbeitsraum. Verschiedene Interessen und Anforderungen treffen dabei
aufeinander, die es zu vereinen gilt. Das beinhaltet das Konzept "Forsten und
Tourismus". Die gemeinschaftliche Arbeit von ThüringenForst, Regionalverbund
Thüringer Wald und Naturpark Thüringer Wald hat im Jahr 2004 begonnen.


Die Ausgangssituation war unbefriedigend: Die Beschilderung nicht einheitlich
und verwirrend, Nutzungsrechte und Pflichten, wie die Instandhaltung der Wege,
verwaschen, erinnert sich Andreas Lucas, Sachgebietsleiter Waldpädagogik und
Forsten & Tourismus. Mit dem Konzept gelang es, diese Konflikte zu entspannen.
In Zusammenarbeit mit Grundeigentümern und Flächennutzern, Radfahrern, Wander-
und Reitvereinen und Skiläufern entstand zugleich eine Grundlage für ökonomisch
und ökologisch sinnvolle sowie langfristig akzeptierte Wegekonzepte.
In enger Abstimmung wurden Wege erfasst, digitalisiert und beschildert. Bis
heute dauert diese Arbeit an, denn das neue Wegesystem lebt von seiner
Aktualität. "Das Konzept ist einmalig", betont Lucas. Mittlerweile hat die im
Januar neu gegründete Landesforstanstalt ThüringenForst die Datenpflege
übernommen. Die gesammelten Inhalte dienen nun als Grundlage für neue
Marketingmaßnahmen, Wanderkarten und Wegekonzepte. "Touristen erwarten
heutzutage ein Komplettpaket: Deutlich ausgewiesene Wanderrouten, Parkplätze,
Gastronomie und Ausflugsziele entlang der Strecke gehören dazu", erklärt
Forstdirektor Dr. Horst Sproßmann. Auch die steigende Nachfrage nach
Radfahrangeboten spielt dabei eine große Rolle. Sei es die Mountainbike-Strecke,
die um den Rennsteig herum entstehen soll, oder der Trend zu Elektrofahrrädern
und Crossbiking. Auch Überlegungen zum barrierefreien Tourismus können mit Hilfe
der digitalen Daten viel einfacher auf den Weg gebracht werden. Der Wald als
Erholungs- und Schutzraum wird also zukünftig noch attraktiver. Und wer weiß,
vielleicht wird ein Stück Thüringen bald zum "Waldgebiet des Jahres 2013". Eine
Bewerbung läuft derzeit, denn der Wald bei Eisenach ist nach Aussage des
ThüringenForsts schon jetzt als eine Perle multifunktionaler Waldwirtschaft.
Abstimmen kann jeder unter: www.waldgebiet-des-jahres.de
<http://www.waldgebiet-des-jahres.de>
 
Frauke Wagner / 26.07.12 / ZGT