Die Erfurter Bahn setzt die Möglichkeit zur Vorbestellung während des
Schienenersatzverkehrs aus. Die Bahnkunden sind unzufrieden mit der Situation.

Ilmenau. Ilmenauer Bahnreisende in und aus Richtung Plaue sowie Marlishausen
beschweren sich weiterhin über den Schienenersatzverkehr auf diesen Strecken.
Reinhard Kowalski ist einer von ihnen. Der 72-jährige Rentner aus Ilmenau ist
Bahnvielfahrer, meist nimmt er sein Fahrrad mit. Kowalski hat eine Bahncard,
mehrfach hat er sich schon über den Ersatzverkehr ausgelassen. Diese Woche will
er mit seinem Rad Bekannte im Kyffhäuser-Gebirge besuchen. Seine Versuche, die
Reise ab Ilmenau zu planen, fasst er so zusammen: "Ich werde ohne Rad fahren und
mir am Kyffhäuser eins ausleihen."


Die Strecken zwischen Ilmenau und Plaue wird bis 18. November saniert. Den
Schienenersatzverkehr auf der Strecke bedient die Regionalbus Arnstadt GmbH. Die
Fahrradmitnahme in den Linienfahrzeugen ist eingeschränkt: Maximal zwei Räder
können mit, sagt der Auftraggeber Erfurter Bahn. Kowalski hatte gestern
versucht, einen Fahrradplatz im Bus für die kommenden Tage zu reservieren. Der
Busfahrer verweigerte ihm dies. "Die Fahrer sollen und dürfen Reservierungen für
Räder nicht annehmen", sagt Michael Hecht, Geschäftsführer der Erfurter Bahn
(EB) auf Anfrage von "Thüringer Allgemeine". "Wir haben uns darauf geeinigt, gar
keine Vorbestellungen anzunehmen", sagt Hecht. Die EB befürchtet während des
Ersatzverkehrs Trittbrettfahrer, die pauschal für mehrere Wochen vorbestellen.
Das Bahnunternehmen führt aktuell Gespräche mit der Regionalbus Arnstadt GmbH,
ob Fahrradanhänger eingesetzt werden können. "Wir prüfen das. Ich kann aber
nichts versprechen", sagt Hecht. Es gebe in den Zügen keine Beförderungspflicht
für Fahrräder, die zudem kostenlos sei. In den Beförderungsrichtlinien der EB
heißt das: Fahrradmitnahme "soweit möglich". Die Kapazität sei begrenzt und
werde leider begrenzt bleiben, so Hecht.
 
Christian Werner / 07.08.12 / TA