Durch die Erweiterung des Pfades am Geraufer hat die Landesanstalt für Geologie
und Umwelt mehr Sicherheit, Komfort und Naturnähe angestrebt. Die gefällten
Pappeln wurden dabei mit für die Auenlandschaft typischen Bäumen ersetzt.

Erfurt. Täglich bahnen sich Jogger, Radfahrer, Elternpaare mit Kinderwagen und
Spaziergänger mit Hunden ihren Weg an der Gera entlang. Auf der Strecke vom
Dreienbrunnenbad bis zur Motzstraße bei Hochheim soll ihnen das Fortkommen
erleichtert werden: Der Pfad am Flussufer ist verlegt, breiter und damit
sicherer gemacht worden. Die Bauarbeiten sollen in der kommenden Woche
abgeschlossen sein.
Hinter der Maßnahme steckt die Thüringer Landesanstalt für Geologie und Umwelt
(TLUG), die sich in Erfurt um Gera und Flutgraben kümmert. Ziel: "Das Ufer wird
naturnäher als vorher sein", erklärt Marcel Glebe, der in der Abteilung
Wasserwirtschaft arbeitet.


Er erinnert sich noch gut an den Protest, den verärgerte Erfurter im Frühjahr
auf Zetteln hinterlassen hatten: "Wir trauern um unsere Bäume", stand auf den
kleinen Plakaten, die an Stämmen befestigt waren.
Im Winterhalbjahr hatte die TLUG zum Entsetzen mancher Baumliebhaber rund 30
kleine Pappeln am Ufer fällen lassen. Übrig blieben ein paar Stämmchen, Buchen
zum Beispiel.
Sie werden schon bald wieder Gesellschaft bekommen.
"Wir pflanzen im Herbst rund 20 Bäume nach", sagt Glebe. Nicht irgendwelche
Arten, sondern standorttypische Bäume wie Weiden und Erlen, betont er. Sie
können das Ufer mit ihren Wurzeln stabilisieren.
Die Pappeln hatten die beliebte Strecke zu einem Sicherheitsrisiko werden
lassen, bestätigt Franka Ludwig vom beauftragten Ingenieurbüro Hydroprojekt.
"Der Weg war schon unterspült, wir mussten das Ufer auffüllen lassen", erläutert
sie. Marcel Glebe ergänzt, dass die einst dort gepflanzten Pappeln sich mit
ihren Wurzeln vor dem strömenden Wasser zurückzuziehen versuchten. Dadurch wurde
der Pfad unsicher, Abbrüche drohten.
Mittlerweile sieht das Flussufer völlig anders aus, es fällt mit sanfterer
Neigung zur Gera hin ab. Am Rand des Gera-Radwanderwegs wird noch Gras ausgesät,
Büsche sind ebenfalls vorgesehen. Die marode Holzbrücke über einen schmalen
Gera-Zulauf, den Silberhüttengraben, ist einer breiten Querung gewichen. "Die
Brücke lief zuvor in sehr steilem Winkel auf die Gera zu", berichtet
TLUG-Experte Glebe. So stellte das Bauwerk eine Engstelle dar.
Auf dem Weg fehlt nur noch eine feinere Kiesschicht. Der steinerne Tisch, der
derzeit im Gebüsch liegt, wird wieder aufgerichtet.
Mit der Fertigstellung des aktuellen Projektes rückt der Bagger jedoch noch
nicht ab. In den kommenden Monaten ist das restliche Stück des
Gera-Radwanderwegs bis zur Motzstraße an der Reihe. Es muss komplett
aufgebaggert werden, damit ein Steuerkabel verlegt werden kann. Die Arbeiten
sollen nach Glebes Worten in diesem Jahr noch abgeschlossen werden.
Die TLUG strebt nicht nur bei Hochheim, sondern auch nördlich des Zentrums
grundlegende Veränderungen an (TA berichtete). Dahinter steht eine andere
Sichtweise auf die Gera als noch vor Jahrzehnten. "Wir achten darauf, nicht
gegen den Fluss zu kämpfen", erzählt Marcel Glebe. Die Infrastruktur, in diesem
Fall der Radwanderweg, soll zurückweichen, nicht der Fluss. "Das Ufer
stabilisiert sich selbst, im besten Falle müssen wir nie wieder an diese Stelle
herangehen", beschreibt der TLUG-Experte das Ziel.
 
 
Ulrike Kaliner / 11.08.12 / TA