Der Lückenschluss vom Burgenland bis zum Ilmtal ist für den Herbst geplant. Die
Gemeinden Reisdorf und Auerstedt lassen von dieser Woche an ihre Rad- und
Wirtschaftswege-Verbindung bauen.

Reisdorf. Musikalisch gab sich Reisdorfs Bürgermeister Dirk Schützeam
Samstagvormittag vielseitig. Zunächst stimmte er mit Hortkindern aus dem Ort
"Kommt ein Vogel geflogen" an. Kurz darauf zitierte er "Die Ärzte": Es ist nicht
deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie
so bleibt. Dieses Motto haben sich die Gemeinden Reisdorf und Auerstedt auch in
Sachen Wegebau auf die Fahne geschrieben. Mit zahlreichen Gästen vollzogen die
Reisdorfer am Wochenende den symbolischen Spatenstich für den neuen Rad- und
Wirtschaftsweg in Richtung der Nachbargemeinde. Ein Dreivierteljahr ist es her,
da der Norden des Weimarer Landes in einem ersten Bauabschnitt bereits Anschluss
an den Burgenlandkreis fand. Zwischen Eckartsberga und Reisdorf wurde auf rund
anderthalb Kilometern Länge die touristische Brücke für Pedalritter geschlagen.


Um die "Radwege-Acht" in Sachsen-Anhalt mit dem Ilmtal-Radweg in Thüringen zu
verbinden, fehlte nun noch der Lückenschluss zwischen Reisdorf und Auerstedt. Im
Laufe des Herbstes soll dieser nun bewerkstelligt sein. An der Reisdorfer
Emsenbach-Brücke nehmen die Arbeiten nach der symbolischen Vorleistung heute
auch ihren offiziellen Anfang. Auf rund 650 Metern Länge entsteht bis zur
Flurgrenze nach Auerstedt ein kombinierter Rad- und Wirtschaftsweg, den
strampelnde Ausflügler in Zukunft ebenso nutzen können wie die Landmaschinen der
Agrargenossenschaft Rannstedt.
Entsprechend gemischt ist auch die Finanzierung. Insgesamt kostet der Wegebau
auf Reisdorfer Terrain rund 86.000 Euro. Ob der landwirtschaftlichen Nutzung ist
das Amt für Landgestaltung und Flurneuordnung als Fördermittelgeber im Boot, ob
der touristischen auch die Thüringer Aufbaubank. Die Gemeinde selbst hat aber
immerhin noch einen Eigenanteil von 20.000 Euro aufzubringen. Entlang des Weges
werden zudem 45 Bäume gepflanzt, beim ersten Bauabschnitt waren es bereits 59.
Bis Ende September soll der drei Meter breit asphaltierte Weg bis zur
Gemarkungsgrenze fertig sein. Radfahrer müssen derweil nicht fürchten, dass sie
dort in eine Sackgasse rollen. Denn parallel zum Reisdorfer Bauabschnitt lassen
auch die Auerstedter den Weg auf ihrem Areal vollenden. Die hier notwendige
Wegstrecke ist mit 1,3 Kilometern doppelt so lang. Allerdings werden auf
Auerstedter nur 130 Meter davon so breit ausgebaut, dass auch
Landwirtschafts-Fahrzeuge darauf unterwegs sein können. Der überwiegende Teil
dieses rund 130.000 Euro teuren Abschnitts wird eine zwei Meter breite Trasse,
die ausschließlich Radfahrern vorbehalten ist. Hierfür ist der
Fertigstellungstermin Ende Oktober vorgesehen. Sowohl auf Reisdorfer als auch
auf Auerstedter Seite erhielt der Meliorationsbau Laucha den Zuschlag für die
Arbeiten. Das Unternehmen hatte im Vorjahr bereits den Radweg in Richtung
Eckartsberga angelegt. "Wir werden ab Januar eine Landgemeinde sein. Da passt
der Radweg-Anschluss gut", pflichtete Bad Sulzas Bürgermeister Johannes Hertwig
beim Spatenstich am Samstag dem Vorhaben bei - und prophezeite Reisdorf
zahlreiche Gäste, die künftig mit dem Drahtesel vom Ilmtal-Radweg herüber
kommen. Landrat Hans-Helmut Münchberg war am Samstag hingegen kein Mann vieler
Worte. Und beschränkte sich auf ein augenzwinkerndes: "Dann wars das. Sonst
kommen wir nie zum Arbeiten."
 
Jens Lehnert / 13.08.12 / TA