Zwischen Ebenshausen und Frankenroda führt der Werratal-Radweg seit Dienstag
offiziell auf der einstigen Bahnstrecke. Das 1,3 Millionen teure Projekt wurde
binnen 2 Jahre fertiggestellt.

Eisenach. VG-Vorsitzende Karola Hunstock fuhr fröhlich auf dem Gepäckträger des
Vizelandrats Friedrich Krauser über die neue Werrabrücke, und der 84-jährige
Horst Schröder aus Frankenroda hatte eigens ein langes Loblied auf den
Brückenbau und die Firmen gedichtet - die Stimmung war gut und das Wetter
hervorragend. Besser hätte sich Landrat Reinhard Krebs die Einweihung von rund
3.000 Meter Radweg und 100 Meter Brücke nicht wünschen können. Besonders die
dutzenden Radfahrer und Spaziergänger, die der Einladung gefolgt waren, stimmten
ihn und die Politiker aus Bund, Land und umliegenden Kommunen sowie die
Firmenvertreter zufrieden.


Frankenrodas Bürgermeisterin Erika Helbig musste gar
den ein oder anderen Radfahrer zur Vorsicht ermahnen. Sie fuhren schon, da sei
der Bitumen noch nicht kalt gewesen. "Die Radfahrer sind ja hier der
Teermaschine hinterher gefahren." (Erika Helbig, Bürgermeisterin von
Frankenroda)Zahlreiche Firmen setzten das 1,3 Millionen Euro teure Vorhaben in
den vergangenen zwei Jahren um. Möglich wurde es vor allem durch die
Fördermittel, die das Land Thüringen und der Bund aus dem Konjunkturpaket II zur
Verfügung stellten, betonten Krauser und Krebs. Dazu kamen Eigenmittel des
Landkreises. Nun müssen sich die Fahrrad-Urlauber nicht mehr die schmale
Kreisstraße 5 mit den Autos teilen. Unbestritten ein großes Sicherheits-Plus auf
einem der zehn meistbefahrenen Radwege Deutschlands, sagte Friedrich Krauser in
seiner Funktion als Vorsitzender des Werratal Touristik-Vereins. Auf mehr als
300 Kilometern verbindet der Werratal-Radweg mittlerweile die Kommunen am
Flussufer, ständig werde der Ausbau vorangetrieben.
In den vergangenen Monaten wurden beispielsweise Teilstücke in Kloster, Dorndorf
und Wernshausen (Schmalkalden-Meiningen) aus- beziehungsweise neugebaut. Für das
Teilstück hier sammelten die Menschen in Frankenroda und Ebenshausen schon vor
Jahren Unterschriften, erinnerte sich Erika Helbig. Damals war noch eine andere
Streckenführung geplant, nun sei eine besonders reizvolle auf der einstigen
Bahnstrecke entstanden. Die einstigen Brückenköpfe und Pfeiler der
Eisenbahnbrücke wurden erhalten und saniert. Darauf kam eine Trogbrücke, die an
Stahlpylonen hängt. Sie ist ausschließlich für Radfahrer und Fußgänger gedacht.
Lokomotiven fahren hier schon seit Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr, weiß
Ebenshausens Bürgermeister Fred Leise. Flussauf- und flussabwärts hatte die
Wehrmacht zu viele Brücken gesprengt, die Russen nahmen dann die Schienen als
Reparation mit. In den achtziger Jahren schließlich wollte der Arbeiter- und
Bauernstaat wenigstens noch den Schrott versilbern. Wegen eines Hochwassers ging
aber die Bergung der Stahlkonstruktion schief. Wenige Jahre später waren es
russische Bergepanzer, die die Stahlteile schließlich aus der Werra zogen. Als
hier Jahrzehnte später eine Fahrradbrücke entstehen soll, meldet sich plötzlich
die Bahn zu Wort, so Reinhard Krebs. In den Plänen hatte die Strecke noch immer
Bahngleis-Status. Die Umwidmung sei dann aber problemlos gelaufen. Die Bahn
veräußerte die nicht mehr genutzte Strecke ohne zu zögern.
 
 
Sascha Willms / 15.08.12 / TA