Die bevorstehenden Änderungen der Beförderungsbedingungen des Jenaer Nahverkehrs
hatten vor allem beim Behindertenverband Unruhe ausgelöst. Zukünftig sollen
Nutzer eines Elektromobils einen Nachweis bringen, dass sie auf ein solches
Gerät wirklich angewiesen sind (TLZ berichtete).

Jena. Doch nun wird der Nahverkehr für eine weitere anstehende Änderung, die ab
dem 1. September greift, gelobt. Hier habe man beim Nahverkehr wirklich
mitgedacht und klug entschieden, sagt Thomas Wedekind als Vorsitzender des
Allgemeinen-deutschen-Fahrrad-Club-Kreisverbandes (ADFC). Es geht um die Zeiten,
in denen eine Fahrradmitnahme zukünftig erlaubt ist. Bisher war diese im
öffentlichen Nahverkehr uneingeschränkt möglich, jetzt ist sie in den
Hauptverkehrszeiten, das heißt, montags bis freitags jeweils 7 bis 10 und 14 bis
18 Uhr, nicht mehr gestattet. Aber weshalb findet Thomas Wedekind diese
Einschränkung positiv?


"Diese Regelung gab es bis vor einigen Jahren schon
einmal und damals weitaus verschärfter", sagt Wedekind. Damals konnten die
Drahtesel von 5 Uhr bis 19 Uhr nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln
transportiert werden. Wedekind ist mit den angesetzten Zeiten des Jenaer
Nahverkehrs deshalb sehr zufrieden. "Natürlich lässt sich immer darüber
streiten, ob es generell einer Einschränkung bedarf", doch er sehe ein, dass die
Fahrräder einfach viel Platz wegnehmen. Ohnehin betreffe die Regelung nur eine
sehr kleine Personengruppe. Die neuen Zeiten für die Fahrradmitnahme seien ein
guter Kompromiss mit dem sicher 99 Prozent der Jenaer leben könnten. "Ich
beispielsweise würde die Möglichkeit der Fahrradmitnahme in öffentlichen
Verkehrsmitteln nur nutzen, wenn mein Rad kaputt wäre", sagt Wedekind.
Sicher, es gebe Situationen in denen sei es besser, seinen Drahtesel mit in die
Bahn zu nehmen: "Wenn man abends etwas getrunken hat, dann sollte man nicht mehr
Fahrradfahren. In Jena ist die Polizei bei solchen Sachen auch sehr konsequent."
Wer jedoch abends Alkohol im Blut hat, der kann beruhigt mit dem Rad in die
Straßenbahn steigen, denn ab 18 Uhr ist das ja erlaubt ebenso ganztägig an
Samstagen und Sonntagen. Wer gar nicht darauf verzichten könne, sein Fahrrad mit
Bus und Bahn zu transportieren und dies auch sehr häufig tue, dem empfiehlt
Wedekind ein Faltrad. "Die lassen sich ganz schnell zu einem Paket
zusammenfalten und gelten dann nicht mehr Fahrrad, sondern als Gepäckstück."
 
 
Jördis Bachmann / 20.08.12 / TLZ